Persönlichkeit

Vom Extrem zum Alltag: Persönlichkeitsstörungen verstehen

Ein Buch zum Querdenken, und wenn man sich weiter damit beschäftigen möchte, wie man mit einem Chef umgehen kann oder schwierigen Kollegen: Der Titel grenzt den Inhalt zwar auf Klienten ein und tatsächlich sind die Fallbeispiele aus dem klinischen Umfeld, dennoch ist dieses Buch sehr lesenswert. Denn gerade die Beispiele führen dazu, dass man den Inhalt auf anderen Situationen übertragen kann. Und man ein Kollege oder Chef, der wirklich wirklich schwierig ist, hat vielleicht auch ein tiefer greifendes Problem. Will sagen: Manche Probleme rühren daher, dass Menschen psychisch krank sind, das nicht kommunizieren oder das nicht weiter bekannt ist und sogenannte „normale“ Handlungs- oder Kommunikationsmuster funktionieren dann nicht. Da ist es hilfreich in den klinischen Kontext zu schauen, sich klar zu machen, dass es daher rührt, dass ein tiefer greifendes Persönlichkeitsproblem vorhanden sein könnte und es sich nicht um eine Person handelt, die sich aus dem Mittelfeld der Handlungsoptionen bedient.

Ein Beispiel: Jemand soll in der Küche helfen, jemand Zweites sollte mithelfen, ist aber nicht da. Die erste Person fängt an zu jammern, dass sie immer vernachlässigt und im Stich gelassen wird. Verweigert die Arbeit und ist nicht bereit zu kommunizieren oder sich Möglichkeiten zu überlegen. Da bietet das Buch unterstützende Ansätze und hilft dabei, den Hintergrund zu erkennen, zu verstehen und auf dieser Basis Lösungen zu finden und kommunizieren zu können. Hilfreich ist es, wenn man ein wenig psychologisches Hintergrundwissen hat und ein paar Begriffe einsortieren kann. Man muss allerdings kein ausgebildeter Psychologe sein, um das Buch zu verstehen.

Klappentext (Quelle: Psychiatrie Verlag)

Persönlichkeitsstörungen verstehenPatienten mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig und »nervig«. Sie stehen im Ruf, psychiatrische Teams aufzumischen und schwer behandelbar zu sein. Sachse zeigt, wie man Verständnis und Zugang zu diesen Menschen entwickeln kann. Für ihn stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar.

Anhand des von ihm entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation zeichnet er nach, wie diese ungünstigen Beziehungsmuster entstehen, in der Familie verstärkt werden, sich im späteren Verlauf der Biografie entwickeln und welche Probleme daraus für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen und die Menschen, die mit ihnen umgehen, entstehen.

In je eigenen Kapiteln werden diese unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen und die ihnen spezifischen Ausprägungen beschrieben und erklärt:

  • Narzisstische Persönlichkeitsstörung
  • Histrionische Persönlichkeitsstörung
  • Dependente Persönlichkeitsstörung
  • Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
  • Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
  • Schizoide Persönlichkeitsstörung
  • Paranoide Persönlichkeitsstörung
  • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Zahlreiche Beispiele illustrieren die Beziehungsfallen und Tests, mit denen Therapeuten und psychosoziale Profis häufig konfrontiert werden, und zeigen, wie man konstruktiv damit umgehen kann. Kapitel zu den speziellen Problemen bei der Team- und Angehörigenarbeit runden das Buch ab. Die Berücksichtigung und Würdigung der Pflegekräfte, die ja oft mehr alltäglichen Kontakt mit den Klienten haben, ist ein besonderes Verdienst dieses Buches.


Beitragsbild: Jan Schulz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: