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Silicon Valley

Im Jahr 2013 packt der Autor seine Familie und 20 kg Gepäck und zieht ins Silicon Valley, um eine Idee davon zu bekommen, wie Publishing in Zukunft aussehen kann. Denn der Autor, Journalist und Publizist kommt im Auftrag eines der größten Verlagshäuser Deutschlands. Ein Verlag, der versteht, dass in Deutschland noch keine Antworten auf die Fragen des Verlages zu finden sind und dass das, was im Silicon Valley passiert, ein Schlüssel sein könnte.

Mit dem Buch ist man sofort mittendrin, der Autor beschreibt sehr bildlich, was er von Tag eins an erlebt. Das ist nicht nur spannend, sondern auch witzig und mitunter befremdlich. Und Manches hat den leichten Geruch von Prodigitalisierungspropaganda. Klar liest es sich gut, wenn da zu lesen ist:

„Wer die Gesellschaft ändern will, wird Programmierer, sehr im Unterschied zu Deutschland, wo gesellschaftlich engagierte Menschen lieber in die Politik gehen.“ S. 27

Aber fragt man hier einen Programmierer, was er zu diesem Satz sagt, kommt nur ein müdes Lächeln, „Nein, die Welt ändert man nicht mit Programmieren, das behaupten die im Silicon Valley nur manchmal ganz gerne, klingt ja auch schön“. Trotzdem bleibt der Verdacht, dass mehr dahinter stecken könnte, zum Beispiel wenn man so etwas liest:

(Palo Alto) „Eine Stadt wie aus dem Handbuch für perfekte Gemeinden. Nicht einfach nur reich, sondern auch noch voller Bürgersinn. Öffentliche Verkehrsmittel kosten nichts, man steigt einfach ein. …“ S. 29f.

Neben den Rahmenbedingungen beschreibt der Autor aber auch sehr im Detail, wie das Arbeiten vonstatten geht. Angefangen bei der Grundeinstellung,

„Innovation entsteht durch den freien, ungehemmten Austausch von Menschen auf kleinstem Raum. Alle Firmen, die ich besuche, legen Wert auf Dichte. Physische Nähe, glauben sie, ist so wichtig wie die Abwesenheit allzu strenger Regeln. … Vorschriften töten Ideen.“ S. 35

bis hin dazu, wie das alltäglich aussieht, warum niemand telefonisch zu erreichen ist und warum man zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen den eigenen Geburtstag oder sogar den der Kinder feiert.

Egal ob man sich für das Silicon Valley interessiert oder nicht: Dieses Buch ist wichtig, wenn man an agiles Arbeiten denkt und zum Beispiel überlegt, wie man ein Arbeitsumfeld gestalten kann. Möglichkeiten und Grenzen werden in diesem Buch sehr deutlich und man findet auf jeden Fall jede Menge Anregungen oder versteht zumindest, warum niemand ans Telefon geht und das auch nicht mehr wichtig ist. Und natürlich ist ganz unabhängig davon auch hochinteressant zu lesen, wie die Innovationsschmiede schlechthin tickt.

Klappentext (Quelle: Randomhouse)

Silicon Valley

Das digitale Zeitalter und seine Hyperökonomie. Aus erster Hand berichtet Christoph Keese von Unternehmern und Innovationen im Silicon Valley und verbindet die vielen Facetten des digitalen Wandels zum großen Bild. Was sind die Erfolgsrezepte und Treiber der boomenden Internetwirtschaft? Wächst uns Google über den Kopf? Wie wirken Disruption oder Netzwerkeffekt? Und was muss Deutschland unternehmen, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Taschenbuch, 320 Seiten, ISBN: 978-3-328-10033-1

 


Beitragsbild: Wesson Wang

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